FOKUSBericht

Wie erleben Väter den Wiedereinstieg?

Volker Baisch – Experte für Väterfragen

Interview mit Volker Baisch, VÄTER gGmbH 

Wenn eine Frau in die Berufstätigkeit zurückkehrt, braucht sie die Unterstützung der ganzen Familie und vor allem ihres Partners. Wie stehen Männer zu diesem Thema?

Die Ergebnisse der aktuellen Studien sind da sehr eindeutig: Die Männer sind grundsätzlich bereit, ihre Partnerin in Sachen Berufsrückkehr zu unterstützen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) geben an, dass sie offen dafür sind, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, um ihre Partnerin zu entlasten.

Ganz wichtig ist aber, dass die Frauen diese Unterstützung klar einfordern und offen ansprechen, was sie sich vorstellen. Der Partner sollte bei der Planung des Wiedereinstiegs in den Job von Anfang an eingebunden werden. Damit wird langfristig gesichert, dass der Wiedereinstieg gelingt. Es ist also offensichtlich, dass wir hier nicht über ein reines Frauenthema sprechen!

In der Theorie sind die meisten Männer bereit, ihre Partnerin zu unterstützen und befürworten es, dass sie wieder arbeiten möchte. In der Praxis gibt es dann aber doch immer wieder Probleme. Welche Sorgen verbinden die Männer mit dem beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerinnen?

Ich rate allen Paaren, von Anfang an offen über ihre Befürchtungen zu sprechen – beide Seiten müssen verbalisieren, was sie beschäftigt. Nur so können Fragen wie „Was passiert mit dem Familiensystem?“ oder „Welche Veränderungen bringt das mit?“ geklärt werden. Und wenn der Partner von Anfang an informiert ist, kommen in der Regel auch weniger Sorgen auf. Teilweise ist es auch so, dass Frauen die Situation schwieriger und negativer einschätzen als sie von den Männern wahrgenommen wird.

Neben den Sorgen gibt es auch Chancen und Hoffnungen. Wie können die Familien die Berufsrückkehr positiv für sich nutzen? Welche Herangehensweise, welche Aufhänger sind nötig, um sie zu überzeugen?

Wie gesagt, es ist wichtig, dass der Partner von Anfang an eingebunden wird und die ganze Familie mit „im Boot“ ist. Das sollten auch Projekte berücksichtigen, die Angebote für Wiedereinsteigerinnen machen.

Wenn der Partner dann erst einmal dabei ist, kommen die meisten Männer auch auf den Geschmack und merken über die Erfahrungen und Erlebnisse, dass sie mehr Zeit für Kinder und Familie haben möchten. Das zeigen zum Beispiel Zahlen zur Elternzeit: Väter, die beim ersten Kind nur wenige Wochen Elternzeit genommen haben, wünschen sich beim nächsten Kind eine längere Elternzeit.

In vielen Unternehmen ist das Thema Familienfreundlichkeit inzwischen ein wichtiges Schlagwort. Welche Tipps geben Sie Vätern, die zum Beispiel ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, um zum gelungenen Wiedereinstieg ihrer Partnerin beizutragen?

Wer das Gespräch mit seinem Vorgesetzten sucht, sollte möglichst konkret wissen, was er will. Wer also schon ein oder zwei Szenarien im Kopf und gleich eine neue Aufgabenverteilung fürs Team parat hat, hat bessere Aussichten auf Erfolg als jemand, der das noch nicht durchdacht hat. Am Besten ist es natürlich, wenn man gleich mehrere Möglichkeiten im Vorfeld mit der Partnerin besprochen hat und dann im Gespräch auch Alternativen anbieten kann. Oft geht es ja gar nicht um viele Stunden, die reduziert werden sollen. Neben verschiedenen Teilzeit-Modellen ist für die meisten Männer eher eine Flexibilisierung wichtig.

Vor dem Gespräch sollte man sich beim Betriebsrat, der Gleichstellungsbeauftragten oder anderen erfahrenen Vätern im Kollegenkreis über den rechtlichen Rahmen informieren. Und natürlich sollte man bei den Verhandlungen behutsam vorgehen und nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Geben Sie uns bitte einen Ausblick: Was ist Ihre Vermutung, wie sich die Rolle der Partner und Väter in den nächsten Jahren verändern wird? Welche Auswirkungen wird das auf die Arbeitswelt haben?

Die Entwicklungen der letzten Jahre werden sich fortsetzen und weiter verselbständigen, so dass es in fünf oder zehn Jahren schon viel mehr zum Alltag gehören wird, dass die Väter mehr Zeit mit der Familie verbringen und Frauen vermehrt Führungspositionen ausüben.

Diese Realität werden auch die Unternehmen anerkennen müssen: Durch den demographischen Wandel wird der Fachkräftemangel weiter steigen. Die Unternehmen brauchen die Frauen und natürlich auch die jungen Männer. Und die wollen nicht ihr Leben lang 40 Stunden und mehr in der Woche arbeiten. Flexibilität wird ein wichtiges Argument bei der Wahl des Arbeitsplatzes werden. Modelle wie Lebensarbeitszeitkonten werden sich etablieren. In vielen großen Unternehmen ist eine fortschreitende Flexibilisierung schon heute auf der Tagesordnung.

Wie können Veranstalterinnen von Infotagen Wiedereinstieg Ihrer Meinung nach die Männer begeistern, Infotage zu besuchen und ihre Partnerinnen zu begleiten?

Die Partner sollten direkt mit angesprochen werden – zum Beispiel im Titel der Veranstaltung oder mit Pressefotos, die Paare zeigen. Natürlich sind die Angebote auch ganz wichtig: Familienfinanzpläne, Paar-Coaching oder eine Podiumsdiskussion mit erfolgreichen Wiedereinsteigerinnen und ihren Partnern sowie mit Unternehmen sind nur einige Anregungen.

Herr Baisch, wir danken Ihnen für das Gespräch. 

Daten und Zahlen zum Thema

  • 84 Prozent der Männer (in Vollzeit 81 %) und 66 Prozent der Frauen (in Vollzeit 34 %), 48 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten mit reduzierter Stundenzahl, in „Mini-Jobs“ (400-Euro-Jobs) oder als freie Mitarbeiterinnen
  • Frauen mit Kindern unter 18 Jahren arbeiten seltener in Vollzeit als Frauen ohne Kinder (16 % versus 46 %). Bei Männern ist der Trend umgekehrt: Männer ohne Kinder (unter 18 Jahren im Haushalt) sind zu 75 Prozent vollzeitberufstätig – Männer mit Kindern im Haushalt sind zu 90 Prozent Vollzeit beschäftigt.
  • Wichtige Gründe, warum die Unterstützung der Wiedereinsteigerinnen seitens ihrer Partner scheitert, sind zum einen die Meinung, dass der Wiedereinstieg eine Frage der professionellen Organisation ist. Es erscheint ihnen paradox, dass eine Reduzierung auch dann noch relevant sein soll, wenn das Kind schon zwei Jahre oder älter ist. Zum anderen besteht die Erwartung, durch eine Stundenreduzierung berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.
Quelle: „Beruflicher Wiedereinstieg nach der Familiengründung – Bedürfnisse, Erfahrungen, Barrieren“, BMFSFJ, 2008
Quelle: http://www.infoboersen-fuer-frauen.de/infoboersen-fuer-frauen/ueber-infoboersen/aktuelles/


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